Fehler im System – Wie die Angst vor dem Scheitern Innovationen verhindert

Wer macht schon gerne Fehler? Fehler erschüttern unseren Selbstwert. Negative Erlebnisse sind deutlich prägender als positive. Aus diesem Grund fällt es uns schwer, aus eigenen Fehlern zu lernen. Warum sollten wir dennoch anfangen, Scheitern als Chance zu begreifen?

„Kannste was, biste was

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Was wir können definiert vermeintlich unseren Wert. Erfolge werden belohnt, für unsere Niederlagen schämen wir uns und nicht selten drohen unangenehme Konsequenzen. Kein Wunder also, dass viele Menschen lieber auf “Nummer Sicher” gehen. Bloß kein Risiko eingehen, damit auch nichts schief laufen kann. Die Herausforderung: Wer Risiken scheut, macht auch selten neue Entdeckungen. Das gilt für Mitarbeiter:innen in Unternehmen ebenso wie für Gründer:innen und Unternehmer:innen.

Wie lösen wir uns also von der Idee, dass alles immer im ersten Anlauf funktionieren muss?

Tipp 1: Verantwortung übernehmen

Die äußeren Umstände waren Schuld. Aber waren sie das wirklich? Einfache kausale Zusammenhänge für das Scheitern zu finden, ist schwierig. Wir sollten nicht dazu übergehen, die Ursachen immer im Außen zu suchen. Wer Verantwortung für seine Fehler übernimmt, gewinnt die Kontrolle zurück und kann kraftvoll weitermachen. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern vielmehr um eine vorwärts gerichtete Sichtweise. Nach dem Grundsatz: Ich weiß, was ich getan habe und kann beeinflussen, was ich zukünftig tun werde. 

Tipp 2: Aus den Fehlern anderer lernen

Es fällt Menschen deutlich leichter, aus den Fehler anderer zu lernen. Dieser Umstand erklärt auch die Reichweite von Formaten wie den “Fuckup-Nights”. Zu den Erfahrungen unseres Gegenübers haben wir eine größere Distanz. Statt uns mit negativen Gedanken zu quälen, können wir die Geschehnisse auf unser Vorhaben übertragen. Andere bringen uns etwas Konkretes über Situationen bei, ohne dass wir es am eigenen Leib erfahren müssen. Für den Umgang mit Fehlern im eigenen Unternehmen heißt das: Offenheit zelebrieren und erreichte Ziele genauso feiern wie die eigenen Fails. Ist die Atmosphäre vertrauensvoll, kann ich andere an den Hürden teilhaben lassen. Im besten Fall bewahrt sie das davor, einen ähnlichen Fehler zu machen. 

Tipp 3: Wer als Erstes lacht

Ein bisschen Humor schadet nie – und sei es Galgenhumor. Studien belegen, dass Menschen nach dem Scheitern schneller wieder handlungsfähig werden, wenn sie sich und ihre Lage zwar ernstnehmen, aber nicht überbewerten. Wie man Fehler dann auch noch in seine Kommunikation einbaut und sich seiner Schwächen bewusst wird, zeigen die Berliner Verkehrsbetriebe eindrucksvoll. Die Bahnen sind unpünktlich, die Durchsagen im Bus unverständlich, der Service lässt zu wünschen übrig. Mit humorvollen Kampagnen nimmt das Unternehmen eigene Schwächen aufs Korn und gelobt ab und an auch Besserung. Ob man wie bei der BVG immer beide Augen zudrücken muss, ist fraglich. Aber: Auf diese Weise sammelt das Unternehmen Sympathiepunkte und demonstriert außerdem, dass Fehler menschlich sind.

Tipp 4: Dem Scheitern etwas Positives abgewinnen

Was hat es mir gebracht, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe? Unter Reframing versteht man in der Psychologie die Fähigkeit, ein Verhalten aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Aspekte dieser Technik lassen sich auf das Fehlermachen übertragen. Statt Defizite zu fokussieren, kann sich jede:r fragen, wofür das Scheitern gut war. Wofür kann ich die Erfahrung nutzen? 

Tipp 5: Reflektieren trainieren

Sich selbst angemessen reflektieren zu können, ist nicht nur im Umgang mit Fehlern eine relevante Kompetenz. Gerade in agilen Arbeitsumfeldern ist es wichtig, Daten zu sammeln und auszuwerten. Unternehmen können Fehler nutzen, um die eigenen Produkte und Dienstleistungen kritisch zu hinterfragen. Der Erkenntnisgewinn aus Fehlentscheidungen oder Patzern kann groß sein. Vielleicht habe ich endlich herausgefunden, was die Kaufentscheidung meiner Kund:innen tatsächlich beeinflusst. Oder ich habe einen Fallstrick in meinem Prozessen identifiziert, der meine Produktivität beschränkt und nun behoben werden kann. Reflektiert eure Arbeitsergebnisse und Arbeitsweisen in regelmäßigen Abständen – allein und mit euren Kunden.

Neues wagen

Auf ausgetretenen Pfaden werden selten neue Entdeckungen gemacht. Für den Unternehmensalltag bedeutet das: Um neue Ideen zu generieren, muss ich etwas wagen. Ich muss mich auf unbekanntes Terrain begeben. Die Schwierigkeit: Je unbekannter das Terrain, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schiefgeht. Vielleicht muss ich einen Umweg laufen, meine Ausrüstung passt nicht zum neuen Gelände oder ich lande sogar in einer Sackgasse. Der Vorteil: Womöglich entdecke ich Orte, an denen vor mir noch niemand gewesen ist. Und verschaffe mir damit einen Wettbewerbsvorteil. 

Von der Fehlerkultur zur Lernkultur

Was braucht es dazu? Zunächst ein Bewusstsein darüber, dass Fehler Katalysatoren sein können. Dass es vermeidbare Fehler gibt, für die entsprechende Vorkehrungen getroffen werden müssen. Und solche, die wir positiv umdeuten und aus denen wir neue Erkenntnisse gewinnen können. Statt mit Konsequenzen zu drohen, sollten wir offen mit dem Scheitern umgehen. Ein passendes Risikomanagement hilft uns, Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.

Es geht darum, Risiken abzuwägen und im Zweifel trotzdem den Schritt ins Unbekannte zu wagen. Oft hilft es, wenn neue Ideen mit einem Sparringspartner ausgetauscht werden können. Ob im Dialog oder im Workshop – wir finden einen Weg, der zu euch und eurem Vorhaben passt. Wir setzen uns gerne mit euch zu einem unverbindlichen ersten Gespräch zusammen. Nutzt dazu gerne unser Kontaktformular, um mit uns einen Termin zu vereinbaren.